OMR Hamburg: KI ist nicht mehr „Trend“ – sie wird Arbeitsweise Zwei Tage OMR – und gefühlt ein Quartal an Input

Hamburg, OMR, volle Hallen, volle Notiz-App. Und auffällig viele Vorträge, die sich (direkt oder indirekt) um ein Thema drehten: KI verändert gerade, wie wir arbeiten und wie wir kommunizieren – besonders in Marketing, Vertrieb und der Kundenkommunikation

Nicht als Buzzword, sondern als ganz praktische Frage:
Welche Aufgaben bleiben? Welche fallen weg? Und welche gewinnen plötzlich massiv an Bedeutung?

KI in Marketing & Vertrieb: weniger „mehr machen“, mehr „anders machen“

Mein stärkster Eindruck: KI wird nicht einfach nur ein Tool im Werkzeugkasten. Sie verschiebt den Werkzeugkasten.

  • Recherche, Struktur, erste Entwürfe, Varianten, Zusammenfassungen: Das geht heute in einer Geschwindigkeit, die vor einem Jahr noch nach „nice to have“ klang.
  • Gleichzeitig steigt der Wert von dem, was KI nicht automatisch löst: Priorisierung, Tonalität, Klarheit, Entscheidung, Verantwortung.

 

Oder einfacher: KI macht uns nicht überflüssig – aber sie macht es überflüssig, ineffizient zu arbeiten.

 

Highlight #1: „Das Operator-Playbook für den Mittelstand“ (Thuy-Ngan Trinh, A11)

Der Vortrag hat bei mir einen Nerv getroffen, weil er KI nicht als „Innovationsthema“ framed, sondern als Operating Model:
Wie organisiert man Arbeit, wenn Teile davon automatisierbar werden?

Was ich für den Mittelstand (und damit auch für viele unserer Kunden) mitgenommen habe:

  • KI braucht Prozesse, nicht nur Lizenzen.
  • Es geht um Rollen, Regeln, Daten und Freigaben – nicht um „wir probieren mal ein Tool“.
  • Wer KI einführt, ohne Verantwortlichkeiten zu klären, bekommt am Ende vor allem eins: mehr Output, aber nicht automatisch mehr Wirkung.

 

Highlight #2: Master Class von TOWA Digital – KI-Agenten als Kaufentscheidungs-Vorbereiter

Richtig spannend (und sehr anschlussfähig für B2B): KI-Agenten, die für Kunden Kaufentscheidungen vorbereiten.


Die Idee in kurz:

  • Ein KI-Agent übernimmt den ersten Teil der Kommunikation: Informationen sammeln, Fragen stellen, Bedarf klären, Optionen vergleichen, Dokumente/Argumente strukturieren.
  • Der Mensch finalisiert: Abstimmung, Vertrauen, Verhandlung, Abschluss.

 

Das ist nicht „E-Commerce für komplexe Produkte“. Das ist eher:
Kundenkommunikation, die vorqualifiziert, bevor sie in die entscheidenden Minuten mit einem Menschen geht.

Für Marketing & Vertrieb ist das ein ziemlicher Perspektivwechsel:
Nicht nur Inhalte bereitstellen, sondern dialogfähige Systeme bauen, die sich wie ein guter Erstkontakt verhalten.

 

Highlight #3: „AI Search 2026“ (Malte Landwehr) – sehr hands-on, sehr relevant

Der Talk war für mich einer der praktischsten, weil er das Thema Suche nicht als „SEO-Spiel“ behandelt, sondern als Veränderung im Nutzerverhalten: Menschen erwarten immer häufiger direkte Antworten statt Linklisten – und klassische Suchmaschinen integrieren KI-Antwortformate (z. B. AI Overviews). Parallel entstehen neue Suchsysteme, in denen die Antwort selbst das Interface ist (z. B. Perplexity). maltelandwehr

Für B2B-Kommunikation heißt das: Sichtbarkeit ist künftig noch stärker eine Frage von Klarheit, Struktur und belastbaren Aussagen. Nicht nur „rankt die Seite?“.

Vom Messe-Input zur Umsetzung bei drei-d: Prozessoptimierung, Prozess-Eliminierung, neue Use Cases

Nach zwei Tagen OMR bleibt für mich vor allem eine Aufgabe: übersetzen.
Von Inspiration in Umsetzung.

Die spannendste Frage ist nicht „Welche Tools sind cool?“, sondern:

  • Welche Schritte in unseren Abläufen sind heute noch manuell, obwohl sie es nicht sein müssten?
  • Welche Tätigkeiten erzeugen Aufwand, aber wenig Wert?
  • Wo hilft KI, schneller zu werden – und wo hilft sie vor allem, besser und konsistenter zu werden?

 

Gerade bei drei-d (Marketinglogistik, Fulfillment, Systeme, Kundenprozesse) liegt viel Potenzial in der Kombination aus: guter Datenbasis + klaren Standards + Automatisierung + sauberem Human-in-the-loop.

 

Und dann… ein Eichhörnchen auf dem Weg zum Bahnhof

Und während ich mit all dem Input im Kopf vom OMR-Gelände Richtung Zug laufe, passiert etwas sehr Bodenständiges:
Ein Eichhörnchen läuft über den Weg, setzt sich hin – und ist vollkommen zufrieden mit einer Nuss zwischen seinen Pfoten.

Keine Keynote. Kein Operator-Playbook. Kein „AI Search 2026“.
Nur: Nuss. Jetzt. Passt.

Das war ein überraschend guter Reminder:
Bei all den tollen Möglichkeiten sollten wir uns immer wieder fragen:

Wie nutzen wir KI so, dass sie uns wirklich hilft – statt uns nur noch mehr zu beschäftigen?
Weniger „alles ist möglich“, mehr „was ist sinnvoll“.

Fazit

OMR hat’s für mich nochmal klar gemacht: KI ist nicht das nächste Tool.
KI ist eine neue Art, Arbeit zu organisieren und Kommunikation zu gestalten.

Und genau da liegt die Chance:
Wenn wir die richtigen Use Cases priorisieren, Prozesse vereinfachen und KI mit klaren Leitplanken einsetzen, gewinnen wir das, was am Ende zählt: Zeit, Klarheit und bessere Ergebnisse.